Hannah sagt ein paar Worte zu sich
#1
Ich bin Mitte-Ende Vierzig und habe einen Bruder, der seit etwa 30 Jahren an Schizophrenie erkrankt ist. Er hat eigentlich von Anfang an jede Behandlung abgelehnt und ist mittlerweile schwer chronifiziert krank. Er fällt durch alle sozialen Netze oder Hilfsangebote durch... oder sorgt dafür, sich aus den Maschen der Netze selbst "zu befreien", so muss man es glaube ich sagen. Er reagiert auf alle Hilfeangebote aggressiv und lebt mittlerweile auf der Strasse.

Ich habe lange gebraucht um zu lernen, dass es nicht nur um ihn geht, sondern auch um mich selbst. Ich kann ihm nicht helfen, also versuche ich mir selbst zu helfen.

Im Gegensatz zu vielen anderen habe ich gute Erfahrungen mit der Psychiatrie gemacht. Als mein Bruder das erste Mal eingewiesen wurde, gab es von der Psychiatrie aus einerseits eine Angehörigengruppe und außerdem zweimal Familientherapie. Das war richtig gut! Wir sind dann danach weiter zu einer Angehörigen-Selbsthilfegruppe gegangen, aber das war für mich dann überhaupt nicht mehr hilfreich. Dort gab es KEINE anderen Geschwister, sondern überwiegend Mütter und vielleicht noch ein paar Väter. Seitdem suche ich eigentlich den Austausch mit anderen Geschwistern.

Es ist noch heute so, trotz vieler Gespräche mit meinen Eltern, dass ich manche Sachen völlig anders sehe als sie. 
Und es ist auch heute noch so, dass mir die Sichtweise von Geschwistern und der Austausch mit ihnen fehlt. Besonders wenn es mal wieder "akut" mit meinem Bruder ist, fühle ich mich mit meiner Sicht sehr alleine und frage mich, wie andere das sehen. Bis heute weiß ich gefühlt zu wenig darüber, was andere Geschwister denken, wie sie mit der Situation umgehen, und was für sie besonders schwierig daran ist...

Für mich ist dieses Forum deshalb auch "Selbsthilfe" und die erste Möglichkeit überhaupt, anderen Geschwistern zu begegnen und mich auszutauschen. Entsprechend freue ich mich auf Euch und bin gespannt, wie es hier wird. Und fände es auch ganz wunderbar, wenn wir uns eines Tages auch mal "in echt" sehen [Bild: https://forum.geschwisternetzwerk.de/ima.../smile.png]!


Liebe Grüße,
Hannah
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#2
Hallo Hannah, 

Dein Beitrag ist schon etwas älter, aber ich dachte, ich antworte trotzdem mal. 
Ich habe mich total angesprochen gefühlt, als du geschrieben hast, dass die eigene Sichtweise sich stark von denen der Eltern unterscheidet. Das ist bei mir auch so. Meine Eltern sehen meinen depressiven Bruder immer als Kind an, obwohl er eigentlich schon ein sehr Erwachsener Mann (34) ist. Das macht die Herangehensweise schwierig, sie meinen es zwar immer gut, aber machen es mit der Bevormundung noch schlimmer.


LG die Eule
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#3
Hallo Hannah, ich bin mittlerweile auch davon überzeugt, dass Selbsthilfe der einzige Weg ist. Wenn man sich selbst geholfen und einen einigermaßen guten Weg gefunden hat, erst dann kann man darüber nachdenken auch andere (die eigenen Geschwister) zu unterstützen.
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#4
Hallo Hannah,
ich bin neu im Forum und habe als erstes deine Vorstellung von vor 5 Jahren angeklickt. Vielleicht siehst du meine Antwort gar nicht und bist längst in anderen Foren unterwegs...
Meine Situation ist ähnlich. Ich bin 57, mein kranker Bruder 60 und seit mindestens 40 Jahren krank. Auch er lehnt jede Hilfe ab und lebt nur deshalb nicht auf der Straße, weil meine Mutter ihn umsorgt. Wie lange sie das noch kann, ist die grosse Frage. Und bin dann ich dran?
Über einen Austausch würde ich mich sehr freuen.
LG
Christiane
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#5
Hallo Christiane,
das Forum ist leider nicht mehr wirklich aktiv. Ich habe schon oft nachgefragt, aber es kommt keine Antwort von den admins. Mittlerweile werden nicht Mal mehr spam Einträge gelöscht...

Wie auch immer, uns Geschwister eint immer, dass wir das alles irgendwie "aushalten" müssen. Wir lieben unsere Familien und unsere Geschwister und gleichzeitig droht die Last uns zu erdrücken...
Deine Frage ist daher nicht einfach bis unmöglich zu beantworten. Ich glaube, dass nur du selbst eine Antwort darauf finden kannst. Wie viel ist es dir wert deinem Bruder zu helfen und wie viel kannst du leisten? Vor allem wenn er jede Hilfe ablehnt dann ist das schwierig. Vielleicht ist es auch Teil seines Krankheitsbildes? Im Grunde ist es egal. Wir haben alle Zeit zur Verfügung und unser Leben ist endlich. Keiner weiß wann. Das Leben so gut es geht mir Glück und Freude zu füllen, das ist ein schönes Ziel. Gelingen wird das nie ganz, aber danach zu streben ist immer wertvoll. Nutzt du irgendwelche Geschwister Angebote (Selbsthilfegruppe, Bücher, Gesprächstherapie, oder ähnliches?). 

Viele Grüße, 
werwoiss
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#6
Hallo,
Danke für die nette Antwort.
Bisher habe ich keine Geschwister- oder Angehörigengruppe gefunden. Mache mich mit Büchern und Infos im Netz schlau bzw. werde dadurch nicht wirklich schlauer. 
Für jeden Tipp bzw. Hinweis auf Gruppen, Workshops, Veranstaltungen usw wäre ich dankbar. Du lebst in Bayern, oder? Ich müsste was in NRW finden..
LG

Christiane
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#7
Hallo,
BapK und Apk auf Landesebene sind gute Ansprechpartner.
Haben mir sehr geholfen.
Bei mir Apk München.

Das Buch "übersehene Geschwister" von Jana Hauschild kann ich empfehlen.

Lg
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#8
Hallo,
vielen Dank, da werde ich mal nachschauen.
LG

Christiane
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