Gruselige Feiertage
#1
Hallo liebes Forum,

wie verbringt ihr so die Feiertage? Ich kann mich nur noch sehr schwer an schöne Feiertage erinnern. Ich bin jetzt schon angespannt. Am Freitag kommte meine Schwester, wir färben dann Eier und ich weiß jetzt schon, das ich den Mülleimer machen werde. Wir haben heute telefoniert und sie ist jetzt schon nicht gut drauf. Das wird sich zu Ostern noch steigern. Wir werden wieder über die drohende Arbeitslosigkeit reden, die unfähigen Ärzte,richtig Hunger habe ich dann sowieso nicht, wenn ich meine Schwester mit ihren ca. 45 Kilo Gewicht sehe usw. usw. Dazu holen wir am Sonntag noch meinen Vater aus dem Heim. Als ich heute bei ihm war, sagte er, naja er schaut mal, ob er am Sonntag mitkommt oder nicht. Ich wollte schon sagen, dann bleib doch hier und gehe anderen mit deiner schlechten Laune auf den Geist. Habe ich natürlich nicht getan. Ich bekomme es einfach nie gedankt, es interessiert ihn auch einfach nicht, wie anstrengend es mit meiner kranken Schwester oft ist. Ich mache das ja alles, weil sie ein Teil von mir ist, wir sind halt wie Zwillinge aufgewachsen, aber ich würde mich auch über Hilfe von seiner Seite oder von meiner ältesten Schwester schon mal freuen. Diese fährt schön am Karfreitag bis Ostermontag in den Urlaub.

Würdet ihr das nicht auch gerne mal tun. Einfach alles stehen und liegen lassen? Ich hätte auch gerne mal schöne Feiertage mit meinem Mann irgentwo weit weg, in einem schönen Hotel und mal 2 bis 3 Tage kein Kopfkino. Am Samstag gehen wir dann in die Ostermesse, ich möchte ja nicht so gerne, da ich ja mit der Kirche immer hadere aber mein Mann möchte. Ich finde einfach im Moment keine Kraft mehr im Glauben.

Gerne würde ich lesen, wie ihr so die Feiertage verbringt.

LG
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#2
Hallo,

ja ich kann dich gut verstehen, auch ich würde manchmal gerne einfach weit wegfahren, alles hinter mir lassen und die Ruhe genießen. Aber so einfach ist es nicht.

Feiertage sind immer ein Graus. Es tut mir leid, dass alles an dir hängen bleibt, du keine Unterstützung von deiner anderen Schwester hast. Ich hoffe und wünsche dir, dass du vielleicht kurze Momente findest, an denen du für dich sein kannst und abschalten kannst, und wenn es nur eine halbe Stunde nach dem Essen ist oder so.

Bei mir läuft dieses Ostern diesesmal etwas anders ab, mein Bruder ist seit einer Woche wieder in der Klinik. Einerseits bin ich froh, denn es konnte so nicht weitergehen. Andererseits weiß man nie, ob es der richtige Weg ist. Meine Eltern fahren morgen zu ihm, ich werden ihn dann nächste Woche besuchen. Das wird sicher auch nicht einfach.

Ich denke an dich und wünsche dir viel Kraft.
Bigi
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#3
Hallo Bigi,

ich hoffe, es wird nicht ganz so schlimm. Man weiß ja nie, was einen erwartet. Viel Glück für dich, natürlich auch alles gute für deinen Bruder, aber in diesem Forum geht es ja mal um uns Kümmerer. Ich finde es richtig beneidenswert, das ihr es geschafft habt, das seine Hausärztin einen Hausbesuch gemacht hat. Ich war bei dem Hausarzt meiner Schwester, zwei mal persönlich und ein mal per Brief. Ich hatte gedacht, in Schriftform geht es vielleicht besser. Alles war erfolglos. Ich wollte ja gar nicht, das er mit mir über vertrauliche Sachen spricht. Ich wollte ihm nur meine Besorgnis mitteilen. Ich habe ihm gesagt, das ich mir zu den psychischen Problemen auch um die körperlichen sehr Sorgen mache. Meine Schwester bringt vielleicht noch 45 Kilo auf die Waage, bei einer Größe von ca. 165 cm. Alles erfolglos. Den Sozialen Dienst konnte ich auch nicht dazu bewegen, etwas zu tun. Immer die selben Antworten, wenn derjenige nicht will, kann man nichts machen.

Daher noch mal. Was auch immer mit deinem Bruder passiert oder auch nicht. Ihr habt doch einiges geschafft. Das finde ich sehr gut. Die Ablehnung von deinem Bruder und die Aggressionen kennen wir ja alle. Ich denke, das ist oft so, das der Kranke irgentwo hin muss, mit seiner Wut, und da sonst keiner da ist, müssen wir halt herhalten. Der Kranke ist ja auch selber wütend auf sich, das er nicht so kann, wie er will. Und wütend auf diejenigen, denen es gut geht. Na ja, uns geht es zwar auch oft schlecht, aber das lassen wir mal so im Raume stehen [Bild: https://forum.geschwisternetzwerk.de/ima...es/sad.png] Dazu gehören dann auch die Selbstverletzungen. Da ertappe ich mich allerdings auch schon dabei. Ich habe jetzt keine Zeit mehr, muss mich mal wieder kümmern.

Toi toi toi für deinen Besuch.

Liebe Grüße
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#4
Hallo Maulwürfel,

danke für deine Antwort. Irgendwie schon schön zu wissen, dass man nicht ganz alleine ist auf dieser Welt mit diesen Problemen.
Na ja der Besuch war einigermaßen ok. Es sieht so aus, als hätten sie die Wahnvorstellungen und Ängste etwas in den Griff bekommen in der Klinik. Aber es geht nur eine kurze Zeit gut, längere Besuche oder Reden ist noch zu anstrengend.
Mal sehen...es bleibt eben vor allem die Sorge, das kommt nach der Klinik? Wird er wieder einen Job finden etc. Außerdem hat er noch von der alten Arbeit her Ärger mit Rechtsanwalt und Gericht...

Ja also mit der Hausärztin...die konnten wir zu einem Besuch bewegen, aber mein Bruder hat nur kurz das Fenster geöffnet und mehr haben wir von ihr jedenfalls nicht erfahren..Schweigepflicht.
Und vom sozialen Dienst war ich leztenendes auch enttäuscht. Sie sind immerhin dreimal gekommen. Beim ersten Mal hat mein Bruder nicht die Tür geöffnet. Beim zweiten Mal ging meine Mutter mit. Beim dritten Mal hat er geöffnet, aber dann gleich geschumpfen und die Tür wieder zu gemacht. Daraufhin sind sie gegangen und wollten das Ordnungsamt einschalten. Das war dann eben so der Punkt an dem wir gesagt haben, so geht es nicht weiter. Wir müssen ihn selbst in die Klinik bringen.
Ich finde es erschreckend wenn ein Arzt oder psychosozialer Dienst sagt, eine mehrmalige Androhung von Selbstmord oder ein Abmagern alleine reicht nicht aus um aktiv zu werden. Muss denn immer erst was schlimmes passieren? Dann wenn so was ist wie in Münster wundert man sich.

Ich hoffe, deine Osterfeiertage waren auch einigeraßen erträglich. Es ist nicht selbstverständlich, was du leistest, dass du dich so um deine Schwester und auch deinen Vater kümmerst.  Auch wenn es sehr anstrengend ist. Alle Achtung. 

Alles Liebe und Gute für dich...
Bigi
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