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		<title><![CDATA[Forum.GeschwisterNetzwerk.de - Zur Diskussion]]></title>
		<link>https://forum.geschwisternetzwerk.de/</link>
		<description><![CDATA[Forum.GeschwisterNetzwerk.de - https://forum.geschwisternetzwerk.de]]></description>
		<pubDate>Sun, 26 Apr 2026 14:28:45 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Sichtbar werden?]]></title>
			<link>https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=350</link>
			<pubDate>Thu, 28 Jan 2021 12:14:18 +0000</pubDate>
			<guid isPermaLink="false">https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=350</guid>
			<description><![CDATA[Liebe Geschwister,<br />
<br />
bis auf meine Vorstellung vor langer Zeit  habe ich in diesem Forum nur gelesen. <br />
Nun beschäftigt mich seit einiger Zeit eine Frage, die in den letzten Tagen sehr viel konkreter noch geworden ist.<br />
Die Frage ist: werde ich sichtbar? Mit allen möglichen Folgen. Selbst hier, wo ich einen geschützten Raum vermute, gebe ich nicht meinen echten Namen preis.<br />
Meine ältere Schwester hat seit gut 30 Jahren eine paranoide Schizophrenie. Wir haben nicht viel Kontakt. In schlechten Zeiten bin auch ich Ziel Ihrer Aggressionen, Beschimpfungen, etc.<br />
Als sie vor drei Jahren dann bei mir im Büro unzählbare Nachrichten hinterließ, hat mich das ein wenig aus der Bahn geworfen. Ich hatte kurz zuvor eine leitende Position übernommen, in der ich sichtbarer wurde. Das war nicht meine Intention, ganz im Gegenteil, gehörte aber hier und da dazu. Ich habe meinen Bereich in Netzwerken vertreten, bin auf der Homepage entsprechend aufgetaucht, etc.<br />
Nun habe ich mich beruflich verändert, bin nach wie vor im sozialen Bereich tätig. Als die Sprache darauf kam, dass ich nun auch mal als Teil des Teams mit Bild, Name und Kontakt auf der Homepage auftauchen soll, wurde ich nervös, bekam ich Angst. Das hat mich selbst sehr überrascht. Ich hatte Angst, dass meine Schwester sieht, wo ich arbeite, dass allein das sie schon wieder triggern könnte. Ich habe das Gespräch mit meiner Chefin gesucht und erstmal ihr und später auch den Kolleg:innen einen ganz kleinen Teil meiner Geschichte erzählt. <br />
Ich bin nicht auf der Homepage. Und für meine Arbeit ist es totaler Mist! Von Außenstehenden werde ich laufend darauf angesprochen. Nach eineinhalb Jahren fallen mir auch keine Ausreden mehr ein.<br />
Gut, damit kann ich irgendwie leben, wenngleich sich in mir immer mehr Wut darüber aufbaut, dass ich mich "verstecke", meine beruflichen Möglichkeiten ungenutzt lasse und Angst mein Berater ist.<br />
Nun hat sich noch etwas Neues ergeben: in beruflichem Kontext habe ich mit der Psyhiatriekoordinatorin des Landkreises zu tun, nicht schwerpunktmäßig. Sitze aber mit in einem "Bündnis gegen Depression" eben als Vertreterin des Trägers, für den ich tätig bin.<br />
Die Koordinatorin wandte sich nun an mich mit der Suche nach einem:r Vertreter:in für die Seite der Angehörigen psychisch erkrankter Menschenfür die Psychiatriekonferen des Landkreises.<br />
Dass ich Angehörige bin, weiß sie nicht. Sie bat mich, das mal in meinem Netzwerk zu streuen. Da gibt es niemand, der/die sich dafür interessiert oder Ressourcen hat.<br />
Und was passiert: ich überlege ernsthaft, ob ich mich nicht dafür melde.<br />
Das heißt aber auch, ich werde sichtbar. Nicht nur irgendwie, sondern ganz explizit mit dem Thema.<br />
Ich wälze "Für und Wider".<br />
<br />
Dagegen spricht: <br />
- meine Angst vor möglichen Reaktionen (auch in der Öffentlichkeit) meiner Schwester<br />
- eine Scham (die ich nicht haben müsste, die aber da ist) <br />
- die Sorge von Menschen, die mich bisher als qualifizierte Fachkraft wahrgenommen haben, anders angeschaut zu werden<br />
- wenn ich das Bedürfnis habe, diesen Teil meines Lebens einfach mal für eine Zeit verdrängen möchte, wird das so einfach nicht mehr möglich sein, denn ich spüre dann eine gewisse Verantwortung<br />
- ich bin gerade dabei mich nebenberuflich selbständig zu machen, weiter im non-Profit-Bereich, aber weg aus dem psychosozialen, perspektivisch will ich da einfach ganz raus<br />
- und diffuse andere Gefühle, die ich gerade noch nicht so richtig greifen kann und formulieren kann<br />
<br />
Dafür spricht:<br />
- ich weiß, dass ich aufgrund meiner beruflichen Erfahrung in Gremien und Netzwerken gut könnte<br />
- weil wir alle so oft und so lange unsichtbar sind, würde ich sehr gerne einen Beitrag leisten, den Blick zu erweitern<br />
- ich könnte meine Erlebnisse und Erfahrungen in einem größeren Sinnzusammenhang sehen<br />
- und vor allem: dieser Gedanke lässt mich einfach nicht mehr los<br />
<br />
Mich interessiert, ob auch ihr solche, ähnliche Situationen kennt. Wie geht es euch damit? Welche Entscheidungen habt ihr getroffen?<br />
Ich bin gespannt und danke euch jetzt schon mal.<br />
<br />
Summer]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Liebe Geschwister,<br />
<br />
bis auf meine Vorstellung vor langer Zeit  habe ich in diesem Forum nur gelesen. <br />
Nun beschäftigt mich seit einiger Zeit eine Frage, die in den letzten Tagen sehr viel konkreter noch geworden ist.<br />
Die Frage ist: werde ich sichtbar? Mit allen möglichen Folgen. Selbst hier, wo ich einen geschützten Raum vermute, gebe ich nicht meinen echten Namen preis.<br />
Meine ältere Schwester hat seit gut 30 Jahren eine paranoide Schizophrenie. Wir haben nicht viel Kontakt. In schlechten Zeiten bin auch ich Ziel Ihrer Aggressionen, Beschimpfungen, etc.<br />
Als sie vor drei Jahren dann bei mir im Büro unzählbare Nachrichten hinterließ, hat mich das ein wenig aus der Bahn geworfen. Ich hatte kurz zuvor eine leitende Position übernommen, in der ich sichtbarer wurde. Das war nicht meine Intention, ganz im Gegenteil, gehörte aber hier und da dazu. Ich habe meinen Bereich in Netzwerken vertreten, bin auf der Homepage entsprechend aufgetaucht, etc.<br />
Nun habe ich mich beruflich verändert, bin nach wie vor im sozialen Bereich tätig. Als die Sprache darauf kam, dass ich nun auch mal als Teil des Teams mit Bild, Name und Kontakt auf der Homepage auftauchen soll, wurde ich nervös, bekam ich Angst. Das hat mich selbst sehr überrascht. Ich hatte Angst, dass meine Schwester sieht, wo ich arbeite, dass allein das sie schon wieder triggern könnte. Ich habe das Gespräch mit meiner Chefin gesucht und erstmal ihr und später auch den Kolleg:innen einen ganz kleinen Teil meiner Geschichte erzählt. <br />
Ich bin nicht auf der Homepage. Und für meine Arbeit ist es totaler Mist! Von Außenstehenden werde ich laufend darauf angesprochen. Nach eineinhalb Jahren fallen mir auch keine Ausreden mehr ein.<br />
Gut, damit kann ich irgendwie leben, wenngleich sich in mir immer mehr Wut darüber aufbaut, dass ich mich "verstecke", meine beruflichen Möglichkeiten ungenutzt lasse und Angst mein Berater ist.<br />
Nun hat sich noch etwas Neues ergeben: in beruflichem Kontext habe ich mit der Psyhiatriekoordinatorin des Landkreises zu tun, nicht schwerpunktmäßig. Sitze aber mit in einem "Bündnis gegen Depression" eben als Vertreterin des Trägers, für den ich tätig bin.<br />
Die Koordinatorin wandte sich nun an mich mit der Suche nach einem:r Vertreter:in für die Seite der Angehörigen psychisch erkrankter Menschenfür die Psychiatriekonferen des Landkreises.<br />
Dass ich Angehörige bin, weiß sie nicht. Sie bat mich, das mal in meinem Netzwerk zu streuen. Da gibt es niemand, der/die sich dafür interessiert oder Ressourcen hat.<br />
Und was passiert: ich überlege ernsthaft, ob ich mich nicht dafür melde.<br />
Das heißt aber auch, ich werde sichtbar. Nicht nur irgendwie, sondern ganz explizit mit dem Thema.<br />
Ich wälze "Für und Wider".<br />
<br />
Dagegen spricht: <br />
- meine Angst vor möglichen Reaktionen (auch in der Öffentlichkeit) meiner Schwester<br />
- eine Scham (die ich nicht haben müsste, die aber da ist) <br />
- die Sorge von Menschen, die mich bisher als qualifizierte Fachkraft wahrgenommen haben, anders angeschaut zu werden<br />
- wenn ich das Bedürfnis habe, diesen Teil meines Lebens einfach mal für eine Zeit verdrängen möchte, wird das so einfach nicht mehr möglich sein, denn ich spüre dann eine gewisse Verantwortung<br />
- ich bin gerade dabei mich nebenberuflich selbständig zu machen, weiter im non-Profit-Bereich, aber weg aus dem psychosozialen, perspektivisch will ich da einfach ganz raus<br />
- und diffuse andere Gefühle, die ich gerade noch nicht so richtig greifen kann und formulieren kann<br />
<br />
Dafür spricht:<br />
- ich weiß, dass ich aufgrund meiner beruflichen Erfahrung in Gremien und Netzwerken gut könnte<br />
- weil wir alle so oft und so lange unsichtbar sind, würde ich sehr gerne einen Beitrag leisten, den Blick zu erweitern<br />
- ich könnte meine Erlebnisse und Erfahrungen in einem größeren Sinnzusammenhang sehen<br />
- und vor allem: dieser Gedanke lässt mich einfach nicht mehr los<br />
<br />
Mich interessiert, ob auch ihr solche, ähnliche Situationen kennt. Wie geht es euch damit? Welche Entscheidungen habt ihr getroffen?<br />
Ich bin gespannt und danke euch jetzt schon mal.<br />
<br />
Summer]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Einbeziehung in die Therapie]]></title>
			<link>https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=317</link>
			<pubDate>Wed, 11 Mar 2020 08:27:39 +0000</pubDate>
			<guid isPermaLink="false">https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=317</guid>
			<description><![CDATA[Liebe Geschwister,<br />
wurdet ihr jemals in die Therapie(n) eurer Schwestern oder Brüder mit einbezogen?<br />
Ich nie.<br />
Meine Schwester hatte so viele unterschiedliche Psychotherapeuten in den vielen Jahren ihrer Krankheit und niemals wurde ich oder meine Eltern einbezogen.<br />
Das ist etwas das ich absolut nicht verstehen kann, weil ich glaube, dass das sehr wichtig wäre...<br />
Über eure Rückmeldungen und Meinungen würde ich mich freuen.<br />
Viele Grüße,<br />
werwoiss]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Liebe Geschwister,<br />
wurdet ihr jemals in die Therapie(n) eurer Schwestern oder Brüder mit einbezogen?<br />
Ich nie.<br />
Meine Schwester hatte so viele unterschiedliche Psychotherapeuten in den vielen Jahren ihrer Krankheit und niemals wurde ich oder meine Eltern einbezogen.<br />
Das ist etwas das ich absolut nicht verstehen kann, weil ich glaube, dass das sehr wichtig wäre...<br />
Über eure Rückmeldungen und Meinungen würde ich mich freuen.<br />
Viele Grüße,<br />
werwoiss]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Hilfe meiner Freundin geht es sehr schlecht und ich weiß mir nicht mehr zuhelfen]]></title>
			<link>https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=245</link>
			<pubDate>Tue, 29 Oct 2019 23:40:21 +0000</pubDate>
			<guid isPermaLink="false">https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=245</guid>
			<description><![CDATA[Ich komme schnell zur Sache meine Freundin W16 hat immer sehr starke zusammenbrüche in denen Sie dann immer total komisch ist sie sagt sie hört eine Stimme und hat Schmerzen manchmal geht es direkt weg aber seit einiger Zeit ist es immer schlimmer und schlimmer geworden sie schlägt sich dann immer um runter zu kommen aber das funktioniert auch nicht richtig sie wurde von ihrer Mutter aus Gründen die ich mir selbst nicht erklären kann aus der Behandlung genommen und ihre Psychologin meint auch das sie nichts hätte aber das kann ich nicht glauben ich meine ich sehe ja wie sie drauf ist und ich möchte ihr helfen gibt es irgend einen Weg sie in Behandlung zu schicken oder so weil wenn sie allein zuhause ist dann kann ihr niemand helfen und die "Stimme" nimmt die Kontrolle über sie, ich kann sie einfach nicht allein lassen bevor etwas schief geht. Bitte helft mir leute....]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Ich komme schnell zur Sache meine Freundin W16 hat immer sehr starke zusammenbrüche in denen Sie dann immer total komisch ist sie sagt sie hört eine Stimme und hat Schmerzen manchmal geht es direkt weg aber seit einiger Zeit ist es immer schlimmer und schlimmer geworden sie schlägt sich dann immer um runter zu kommen aber das funktioniert auch nicht richtig sie wurde von ihrer Mutter aus Gründen die ich mir selbst nicht erklären kann aus der Behandlung genommen und ihre Psychologin meint auch das sie nichts hätte aber das kann ich nicht glauben ich meine ich sehe ja wie sie drauf ist und ich möchte ihr helfen gibt es irgend einen Weg sie in Behandlung zu schicken oder so weil wenn sie allein zuhause ist dann kann ihr niemand helfen und die "Stimme" nimmt die Kontrolle über sie, ich kann sie einfach nicht allein lassen bevor etwas schief geht. Bitte helft mir leute....]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Schwester schizophren und abgehauen]]></title>
			<link>https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=169</link>
			<pubDate>Sun, 30 Jun 2019 09:38:44 +0000</pubDate>
			<guid isPermaLink="false">https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=169</guid>
			<description><![CDATA[Hallo, meine Schwester ist schizophren und verschwunden, heute kam endlich mal ein Lebenszeichen wo sie sich aufhält, durch einen Zufall hat sie jemand erkannt und uns angerufen. Sie befindet sich außerhalb der EU, was kann ich jetzt machen? Es ist Sonntag, der sozial psychiatrische Dienst hilft uns bei sowieso vielen Dingen nicht. Kann man psychisch kranke Menschen zurück holen nach Deutschland?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Hallo, meine Schwester ist schizophren und verschwunden, heute kam endlich mal ein Lebenszeichen wo sie sich aufhält, durch einen Zufall hat sie jemand erkannt und uns angerufen. Sie befindet sich außerhalb der EU, was kann ich jetzt machen? Es ist Sonntag, der sozial psychiatrische Dienst hilft uns bei sowieso vielen Dingen nicht. Kann man psychisch kranke Menschen zurück holen nach Deutschland?]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Und wieder soll ich den ersten Schritt machen]]></title>
			<link>https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=158</link>
			<pubDate>Sun, 16 Jun 2019 18:00:17 +0000</pubDate>
			<guid isPermaLink="false">https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=158</guid>
			<description><![CDATA[Hey Leute,<br />
<br />
ja wie in der Überschrift schon erwähnt, geht es um das Thema Kontaktaufnahme. Den letzten Kontakt zu meiner Schwester hatte ich im Sommer 2017. Das ist damals, wie auch die Male zuvor, bei einem Besuch  bei ihr heftig eskaliert. Daraufhin habe ich, auch um mich ein Stück weit selber zu schützen, den Kontakt erneut abgebrochen. Immer wieder war ich der jenige, der auf sie zukam, vorschlug es doch noch mal zu versuchen. Anfangs geht es auch gut, wenn wir dann länger mit einander zu tun haben merke ich wie die üblichen Rollen wieder zum Vorschein kommen. Sie dominant und vereinnahmen und ich halte die Füße still um Die Harmonie zu wahren. Geht natürlich auf Dauer nicht gut. Auch wenn ich sie direkt mit meinen Wünschen und auch mal mit Kritik konfroniere, gibt's entweder Ignoranz oder ein aggesionsausbruch Ihrerseits.<br />
<br />
Und wenn ich dann den Kontakt, von meinem Standpunkt aus gerechtfertigt, abbrechen bin ich wieder der Arsch. Eine Weile ist dann Funkstille und irgendwann kommt ihr Bekannter an und sagt: Du weißt doch wie die ist. Komm, Fass dir ein Herz, melde dich bei ihr, die braucht dich, du liegst ihr am Herzen.<br />
<br />
Schön und gut. Aber wenn ihr das so wichtig ist, warum kommt sie dann nicht auf mich zu? Warum muss ich "angekrochen" kommen? Ich habe sie das beim letzten Mal auch ganz direkt gefragt. Ihre Antwort war nur: Ja du willst das ja nicht. Also ich ihr sagte dass ich es sehr wohl gewollt hätte, sie hätte einfach mal fragen müssen, kam dann nur: Ne, lass mal. Das ist mir zu anstrengend.!?!?!?!? <img src="https://forum.geschwisternetzwerk.de/images/smilies/dodgy.png" alt="Dodgy" title="Dodgy" class="smilie smilie_14" /> <br />
<br />
Ich habe keine Lust mehr. Ich kann nicht mehr. Und dennoch schaffe ich es nicht, sie aufzugeben. Aber ich muss auch auf mich achten. Es nützt uns beiden nichts wenn ich mich zusätzlich zugrunde richte. <br />
<br />
Ich habe schon viele Variationen des Kontaktes versucht. Immer das gleiche Szenario und das selbe Ende. Also muss ein neuer Ansatz her. <br />
Der Jurist in mir kam heute morgen auf ne etwas absurde Idee. Ein Vertrag zwischen uns beiden und ihrer gesetzlichen Betreuerin. Auch soll diese vorerst bei allen Treffen dabei sein um eingreifen zu können. Inhalt des Vertrages würde genau regeln. Wann von wem eine Kontaktaufnahme erfolgt. Die zeitlichen Begrenzungen festlegen und so Sachen. Damit kläre Vorgaben herrschen und wir auch eine Art roten Faden haben.<br />
<br />
Ich weiss, klingt total nach einer Schnappsidee aber ich weiss einfach nicht mehr, was ich noch tun kann. <br />
<br />
Ich bin mit meinem Latein einfach am Ende. <br />
<br />
Wie seht ihr Das? Meint ihr, ich hätte eine Chance damit? Glaubt ihr Das könnte funktionieren?<br />
<br />
Freue mich auf Rückmeldung und vill sogar auf weitere Ideen eureseits <br />
<br />
Vg Phil]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Hey Leute,<br />
<br />
ja wie in der Überschrift schon erwähnt, geht es um das Thema Kontaktaufnahme. Den letzten Kontakt zu meiner Schwester hatte ich im Sommer 2017. Das ist damals, wie auch die Male zuvor, bei einem Besuch  bei ihr heftig eskaliert. Daraufhin habe ich, auch um mich ein Stück weit selber zu schützen, den Kontakt erneut abgebrochen. Immer wieder war ich der jenige, der auf sie zukam, vorschlug es doch noch mal zu versuchen. Anfangs geht es auch gut, wenn wir dann länger mit einander zu tun haben merke ich wie die üblichen Rollen wieder zum Vorschein kommen. Sie dominant und vereinnahmen und ich halte die Füße still um Die Harmonie zu wahren. Geht natürlich auf Dauer nicht gut. Auch wenn ich sie direkt mit meinen Wünschen und auch mal mit Kritik konfroniere, gibt's entweder Ignoranz oder ein aggesionsausbruch Ihrerseits.<br />
<br />
Und wenn ich dann den Kontakt, von meinem Standpunkt aus gerechtfertigt, abbrechen bin ich wieder der Arsch. Eine Weile ist dann Funkstille und irgendwann kommt ihr Bekannter an und sagt: Du weißt doch wie die ist. Komm, Fass dir ein Herz, melde dich bei ihr, die braucht dich, du liegst ihr am Herzen.<br />
<br />
Schön und gut. Aber wenn ihr das so wichtig ist, warum kommt sie dann nicht auf mich zu? Warum muss ich "angekrochen" kommen? Ich habe sie das beim letzten Mal auch ganz direkt gefragt. Ihre Antwort war nur: Ja du willst das ja nicht. Also ich ihr sagte dass ich es sehr wohl gewollt hätte, sie hätte einfach mal fragen müssen, kam dann nur: Ne, lass mal. Das ist mir zu anstrengend.!?!?!?!? <img src="https://forum.geschwisternetzwerk.de/images/smilies/dodgy.png" alt="Dodgy" title="Dodgy" class="smilie smilie_14" /> <br />
<br />
Ich habe keine Lust mehr. Ich kann nicht mehr. Und dennoch schaffe ich es nicht, sie aufzugeben. Aber ich muss auch auf mich achten. Es nützt uns beiden nichts wenn ich mich zusätzlich zugrunde richte. <br />
<br />
Ich habe schon viele Variationen des Kontaktes versucht. Immer das gleiche Szenario und das selbe Ende. Also muss ein neuer Ansatz her. <br />
Der Jurist in mir kam heute morgen auf ne etwas absurde Idee. Ein Vertrag zwischen uns beiden und ihrer gesetzlichen Betreuerin. Auch soll diese vorerst bei allen Treffen dabei sein um eingreifen zu können. Inhalt des Vertrages würde genau regeln. Wann von wem eine Kontaktaufnahme erfolgt. Die zeitlichen Begrenzungen festlegen und so Sachen. Damit kläre Vorgaben herrschen und wir auch eine Art roten Faden haben.<br />
<br />
Ich weiss, klingt total nach einer Schnappsidee aber ich weiss einfach nicht mehr, was ich noch tun kann. <br />
<br />
Ich bin mit meinem Latein einfach am Ende. <br />
<br />
Wie seht ihr Das? Meint ihr, ich hätte eine Chance damit? Glaubt ihr Das könnte funktionieren?<br />
<br />
Freue mich auf Rückmeldung und vill sogar auf weitere Ideen eureseits <br />
<br />
Vg Phil]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA["Übersehene Geschwister"]]></title>
			<link>https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=151</link>
			<pubDate>Thu, 16 May 2019 21:33:19 +0000</pubDate>
			<guid isPermaLink="false">https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=151</guid>
			<description><![CDATA[Liebe Geschwister,<br />
<br />
im Mai letzten Jahres hat Jana in einem <a href="https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=10" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Beitrag</a> hier geschrieben:<br />
"..... Eure Erläuterungen würde ich ggf. gern in ein Buch einfließen lassen, an dem ich derzeit werkel. ..... Mich interessiert eure Perspektive auch unabhängig von meinem Buchprojekt. Viele Grüße Jana" <br />
<br />
Nun ist es soweit, ihr Buch "<span style="text-decoration: underline;" class="mycode_u">Übersehene Geschwister</span>" ist auf dem Markt. Viele Geschwister kommen zu Wort und sprechen über ihre Situation und ihre teils weit zurückliegenden Erlebnisse, auch die Autorin selbst. Wir stellen das Buch auf unserer Website vor [<a href="https://geschwisternetzwerk.de/wissen/literatur/sonstige-literatur/#_19_hauschild" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Link</a>]. Dort findet ihr auch eine Buchbesprechung von Reinhard. Da diese für den Post zu lang ist, hier nur der Anfang:<br />
<br />
"<span style="text-decoration: underline;" class="mycode_u">Klartext mit Gefühl und Respekt</span><br />
Kein Leser wird sich der eindringlichen Präsenz des Textes entziehen können, die nicht zuletzt auf drei Expertisen der Autorin beruht: Jana Hauschild ist die Schwester von Sven, der an einer Borderline Persönlichkeitsstörung leidet, sie hat Psychologie studiert und ist heute eine gut beschäftigte Journalistin.<br />
Diese drei Expertisen verbinden sich mit hoher Sachkenntnis und beeindruckender literarischer Kunstfertigkeit zu einem Buch, das für viele Lesergruppen ein gut zu rezipierender Gewinn sein wird – für die Geschwister, für deren Eltern, für weitere Familienangehörige, aber auch für professionelle Helfer. Selbst die psychisch erkrankten Geschwister werden von den Selbstäußerungen der vielen vorgestellten Geschwister profitieren, denn die Autorin redet zwar Klartext, aber niemals ohne einfühlsame Achtung jenen gegenüber, die als Geschwister oder Eltern am Leid der zu Wort-Kommenden direkt oder indirekt beteiligt sind. ......" [<a href="https://geschwisternetzwerk.de/wissen/literatur/sonstige-literatur/klartext-mit-gefuehl-und-respekt/" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Weiterlesen auf der Website</a>]<br />
<br />
Hat jemand von Euch das Buch schon gelesen? Eure Meinungen würden mich sehr interessieren.<br />
Grüße Lucie<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"><span style="font-size: small;" class="mycode_size">Übrigens: Wenn Euch das Buch gefällt, könnt Ihr zu seiner Verbreitung beitragen, indem Ihr Bewertungen bei Online-Portalen wie z.B. Amazon abgebt. </span></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Liebe Geschwister,<br />
<br />
im Mai letzten Jahres hat Jana in einem <a href="https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=10" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Beitrag</a> hier geschrieben:<br />
"..... Eure Erläuterungen würde ich ggf. gern in ein Buch einfließen lassen, an dem ich derzeit werkel. ..... Mich interessiert eure Perspektive auch unabhängig von meinem Buchprojekt. Viele Grüße Jana" <br />
<br />
Nun ist es soweit, ihr Buch "<span style="text-decoration: underline;" class="mycode_u">Übersehene Geschwister</span>" ist auf dem Markt. Viele Geschwister kommen zu Wort und sprechen über ihre Situation und ihre teils weit zurückliegenden Erlebnisse, auch die Autorin selbst. Wir stellen das Buch auf unserer Website vor [<a href="https://geschwisternetzwerk.de/wissen/literatur/sonstige-literatur/#_19_hauschild" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Link</a>]. Dort findet ihr auch eine Buchbesprechung von Reinhard. Da diese für den Post zu lang ist, hier nur der Anfang:<br />
<br />
"<span style="text-decoration: underline;" class="mycode_u">Klartext mit Gefühl und Respekt</span><br />
Kein Leser wird sich der eindringlichen Präsenz des Textes entziehen können, die nicht zuletzt auf drei Expertisen der Autorin beruht: Jana Hauschild ist die Schwester von Sven, der an einer Borderline Persönlichkeitsstörung leidet, sie hat Psychologie studiert und ist heute eine gut beschäftigte Journalistin.<br />
Diese drei Expertisen verbinden sich mit hoher Sachkenntnis und beeindruckender literarischer Kunstfertigkeit zu einem Buch, das für viele Lesergruppen ein gut zu rezipierender Gewinn sein wird – für die Geschwister, für deren Eltern, für weitere Familienangehörige, aber auch für professionelle Helfer. Selbst die psychisch erkrankten Geschwister werden von den Selbstäußerungen der vielen vorgestellten Geschwister profitieren, denn die Autorin redet zwar Klartext, aber niemals ohne einfühlsame Achtung jenen gegenüber, die als Geschwister oder Eltern am Leid der zu Wort-Kommenden direkt oder indirekt beteiligt sind. ......" [<a href="https://geschwisternetzwerk.de/wissen/literatur/sonstige-literatur/klartext-mit-gefuehl-und-respekt/" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Weiterlesen auf der Website</a>]<br />
<br />
Hat jemand von Euch das Buch schon gelesen? Eure Meinungen würden mich sehr interessieren.<br />
Grüße Lucie<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"><span style="font-size: small;" class="mycode_size">Übrigens: Wenn Euch das Buch gefällt, könnt Ihr zu seiner Verbreitung beitragen, indem Ihr Bewertungen bei Online-Portalen wie z.B. Amazon abgebt. </span></span>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Umgang mit Psychopharmaka]]></title>
			<link>https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=146</link>
			<pubDate>Tue, 23 Apr 2019 10:45:16 +0000</pubDate>
			<guid isPermaLink="false">https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=146</guid>
			<description><![CDATA[Wie verschiedene Beiträge im Forum zeigen, treibt diese Frage viele Geschwister um. In der Zeitschrift Kerbe 3/2016 erschien dazu ein Artikel von Sybille Glauser. Frau Glauser ist Psychologin und Schwester und hat den nachfolgenden Artikel auch aus ihrer persönlichen Sicht und Erfahrung verfasst. <br />
<br />
Wir danken Frau Glauser, dass sie uns gestattet hat, ihren Artikel hier zur Diskussion zu stellen. <br />
<br />
Es wäre schön, wenn Ihr Eure Gedanken dazu schreiben würdet.<br />
Herzliche Grüße<br />
Lucie<br />
<br />
<hr class="mycode_hr" />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Zum langfristigen Umgang mit Psychopharmaka</span><br />
Ambivalenzen und Sichtweisen von Angehörigen<br />
<br />
Sybille Glauser, lic. Phil. Psychologin, Präsidentin Netzwerk Angehörigenarbeit Psychiatrie, Angehörigenberatung, Universitäre Psychiatrische Dienste Bern<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Die Frage, ob Psychopharmaka wirksam und hilfreich sind oder schlimmstenfalls sogar gesundheitsschädigende Nebenwirkungen haben, verunsichert Angehörige sehr. Die Einstellung von Angehörigen gegenüber Psychopharmaka ist meist abhängig von der Schwere und dem Verlauf der Erkrankung.</span><br />
<br />
Das Thema Psychopharmaka wird kontrovers diskutiert. Was für die einen ein Segen ist, ist für Andere ein Fluch. Negative Vorurteile gegenüber Psychopharmaka sind weit verbreitet und tragen dazu bei, dass psychisch kranke Menschen nicht nur stigmatisiert werden aufgrund ihrer Erkrankung, sondern sich häufig selbst stigmatisieren, da sie auf die Einnahme von Psychopharmaka angewiesen sind. Angehörige, die schlecht oder gar nicht informiert sind über die Wirkungsweise, den Nutzen aber auch die Nebenwirkungen von Psychopharmaka, sind oft sehr verunsichert und tun sich schwer damit, sich eine Meinung über Psychopharmaka zu bilden. Sie sind meist sehr bemüht, sich Wissen über Medikamente anzueignen, die zur Behandlung von psychischen Erkrankungen eingesetzt werden. Sie quälen sich durch Fachliteratur, surfen im Internet oder suchen das aufklärende Gespräch mit Fachpersonen. Doch nur zu oft wird fundiertes Wissen über Psychopharmaka für Angehörige zur Qual und zwar dann, wenn das erkrankte Familienmitglied die Meinung der Angehörigen über den Beschwerden lindernden Nutzen von Medikamenten nicht teilt und die Medikation ablehnt. Gerade bei schweren Krankheitsverläufen weichen die anfängliche Kritik und das Misstrauen von Angehörigen gegenüber Psychopharmaka nach wiederholten Rückfällen hoffnungsvollen Erwartungen, die jedoch aus vielerlei Gründen selten erfüllt werden können. <br />
<br />
Ich habe mich bei der Zusage zu diesem Artikel entschieden, den Anspruch auf „Objektivität“ und professionelle Distanz zu verwerfen und bin in die Angehörigenhaut geschlüpft, um dem Leser einen Einblick zu gestatten in die Lebens- und Leidensgeschichte meines Bruders und unserer Familie. Im Wissen, dass unzählige Angehörige von psychisch kranken Menschen unser Schicksal teilen, erhoffe ich mir durch meinen sehr persönlichen Beitrag bei Fachpersonen und vor allem bei Betroffenen mehr Verständnis für all jene verzweifelten Angehörigen, die das erkrankte Familienmitglied zur Einnahme von Medikamenten drängen in der vermeintlichen Hoffnung auf Genesung oder doch zumindest Linderung von quälenden Symptomen und Beschwerden.<br />
<br />
Die psychische Erkrankung meines Bruders hat mein eigenes Leben massgeblich mitbestimmt. Die Ironie des Schicksals hat es so gewollt, dass ich trotz oder gerade wegen der schweren Erkrankung meines Bruders die Erfüllung in meinem Beruf gefunden habe. Ich bin Psychologin und bin in Bern bei den Universitären Psychiatrischen Diensten in der Beratung von Angehörigen psychisch kranker Menschen tätig. Ich war auch viele Jahre lang aktives Mitglied der VASK, die Selbsthilfevereinigung von Angehörigen psychisch kranker Menschen in der Schweiz. Ich erlaube mir, über die Erkrankung meines Bruders zu schreiben, da ich seit meiner Heirat einen anderen Namen trage als er und in einer anderen Stadt lebe. Es ist deshalb nicht möglich, Rückschlüsse auf seine Person zu ziehen. <br />
<br />
Mein Bruder ist vor mehr als 30 Jahren an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt. Der erste Klinikaufenthalt, der gegen seinen Willen erfolgte, liegt nun schon drei Jahrzehnte zurück. Seine Erkrankung hat leider einen chronischen Verlauf genommen, er lebt seit 25 Jahren von einer Invalidenrente. Obwohl er während all den Jahren nie in der Lage war, auch nur annähernd eine gewisse Krankheitseinsicht zu entwickeln, erklärte er sich während eines längeren Klinikaufenthaltes bereit für eine dreiwöchentliche Depotmedikation. Diese Form der medikamentösen Behandlung linderte nicht nur seine Beschwerden. Da die tägliche Tabletteneinnahme ausfiel, wurde er auch nicht immer mit seiner Krankheit konfrontiert. <br />
<br />
Die folgenden drei Jahre unter Depotmedikation sind mir unvergesslich geblieben. Mein Bruder wurde wieder zugänglich, er wirkte entspannt, machte sich aktiv Gedanken über seine Zukunft, auch seine berufliche Zukunft. Er verliebte sich, seine Liebe wurde erwidert, wir schöpften Hoffnung und alles schien eine gute Wende zu nehmen. Dann aber traf ein Oberarzt den bestimmt gutgemeinten aber für meinen Bruder folgenschweren Entscheid. Er empfahl meinem Bruder die orale Einnahme des Neuroleptikums und stellte die Depotmedikation ein. Er wollte meinen Bruder «in die Selbstständigkeit entlassen» wie er sagte und ihm die «Eigenverantwortung» übergeben. Leider erwies sich dies im Falle meines Bruders als Fehlentscheid. Mein Bruder konnte mit dieser «Freiheit» nicht umgehen, er setzte relativ rasch die Medikamente ab und erlitt in der Folge eine weitere schwere psychotische Krise, die einen Klinikaufenthalt, einmal gegen seinen Willen, zur Folge hatte. <br />
<br />
Während dieses Klinikaufenthaltes machte ein Mitpatient ihn auf die Psychex aufmerksam. Die Psychex ist ein Verein, der sich gemäss ihrer Homepage zum „Anwalt psychiatrisch Verfolgter macht“, ihrer Meinung nach werden „Menschen in Anstalten versenkt und mit heimtückischen Nervengiften ruhiggestellt“. Ich musste mehrfach miterleben, wie mein Bruder mit Unterstützung der Psychex aus der Klinik entlassen wurde und dann hilflos und obdachlos vor der Klinikpforte stand. Der Psychex-Anwalt hatte meinen Bruder auch darin bestärkt, dass er die Medikation jederzeit verweigern könne. Dies war der traurige Wendepunkt im Leben meines damals 31-jährigen Bruders. Mit wenigen Ausnahmen von kurzen Intervallen während stationären Aufenthalten hat er die medikamentöse Behandlung seither immer vehement abgelehnt. Auch gegen jegliche andere Therapieformen hat er sich immer erfolgreich gewehrt.<br />
<br />
Die Frage, wie das Leben meines Bruders wohl verlaufen wäre, wenn er die Depotmedikation beibehalten hätte, hat mich jahrelang verfolgt. Vielleicht hätte seine Liebesbeziehung auch schwierigeren Phasen standgehalten, vielleicht hätte er wieder teilzeitlich in seinem gelernten Beruf tätig sein können, vielleicht wäre es ihm möglich geworden, sich aktiv mit seiner Erkrankung auseinanderzusetzen und einen Umgang damit zu finden, vielleicht wäre mir der Bruder erhalten geblieben, so wie ich ihn in unserer Kinder- und Jugendzeit kannte. Im Nachhinein gesehen sind solche Fragen müssig und nicht hilfreich und doch drängen sie sich immer wieder auf. Mein Bruder hat sich durch die Krankheit sehr verändert, sein Denken ist derart durch wahnhafte Inhalte besetzt, dass er mich heute nicht mehr als seine Schwester wahrnimmt. Und nur zu oft zähle ich aus seiner Sicht zur Gruppe der vermeintlichen Verfolger. Während den ersten Jahren seiner Erkrankung fiel es mir extrem schwer, mich damit abzufinden, dass meinem Bruder ein solches Schicksal beschieden ist. <br />
<br />
Seither sind mehr als 20 Jahre vergangen und mein Bruder ist von der Krankheit gezeichnet. Seine sozialen Kontakte beschränken sich nach dem Tod unserer Mutter auf den Kontakt zu meinem Vater, meiner Schwester und mir. Er lebt vollkommen isoliert in einer kleinen Zweizimmer-Wohnung. Tag und Nacht läuft der Fernseher. Mein Bruder wird von Stimmen gequält, Verfolgungsideen beherrschen sein Leben. Er ist stark abgemagert, weil er kaum Nahrung zu sich nehmen kann, da er unter Vergiftungsideen leidet. Seit Jahren hat mein Bruder nun auch noch ein Alkoholproblem. Alkohol scheint seine Selbstmedikation zu sein. Außer sich vor Angst und durch den Alkohol enthemmt, kam es mehrmals zu gewalttätigen Eskalationen. Mein Bruder wurde bisher mehr als dreißigmal hospitalisiert, leider meist gegen seinen Willen. Da die schweizerische Gesetzgebung eine medikamentöse Behandlung gegen den Willen eines Betroffenen nur in Akutsituationen erlaubt, wird mein Bruder bei einem Klinikaufenthalt aufgepäppelt und dann medikamentös unbehandelt wieder entlassen. Die Chance, dass er sich doch irgendwann einmal in seinem Leben von seinen paranoiden Wahngedanken distanzieren könnte, hat sich von Jahr zu Jahr verringert. Sein Denken hat sich dauerhaft von der Realität entfernt. Die Befürworter der Aussage „es muss ein Recht zur Entscheidung auf ein Leben in der Psychose geben“ machen sich meiner Meinung nach für eine Gruppe von Psychose kranken Menschen stark, die nicht repräsentativ sind für alle Kranken. Die Aussage mag auf Menschen zutreffen, die trotz psychotischem Erleben ihr Leben ohne unerträglichen Leidensdruck selbst gestalten können, die stark genug sind, sich als Gruppe zu organisieren und sich gemeinsam für ihre Rechte einzusetzen. Wie aber ist es um die Kranken bestellt, denen aufgrund der Erkrankung ihre Selbstbestimmung und ihre persönliche Freiheit abhandengekommen sind? Von Autonomie und Entscheidungsfreiheit kann meiner Meinung nach bei meinem Bruder keine Rede mehr sein, die Erkrankung beherrscht alle Bereiche seines Lebens. Ich weiß, dass ich mit meiner Aussage nicht bei allen Lesern auf Zustimmung stoßen werde, aber meinem Empfinden nach kommt es einer unterlassenen Hilfeleistung gleich, wenn ein Erkrankter über Wochen oder Monate unbehandelt und mit sichtlichem Leidensdruck dem psychotischen Geschehen ausgesetzt bleibt. Meine Haltung gegenüber dem 2013 in der Schweiz in Kraft getretenen revidierten Erwachsenenschutzrecht ist ambivalent, zum einen wird lobenswerterweise die Selbstbestimmung psychisch kranker Menschen gestärkt, andererseits wird psychisch Schwerstkranken fälschlicherweise eine Autonomie zugesprochen, die den Zugang zur Behandlung erschwert. Nicht nur mein Bruder leidet unter seiner unbehandelten Erkrankung. Für meinen Vater und uns Schwestern ist es unglaublich schmerzhaft, tatenlos mitansehen zu müssen, wie ein geliebter Mensch seiner Erkrankung hilflos ausgeliefert bleibt, im Wissen, dass es gute Behandlungsmöglichkeiten gäbe, wenn er sie denn annehmen könnte. <br />
<br />
Wenn Patienten die Behandlung verweigern, insbesondere die medikamentöse Behandlung, dann kündigt sich die nächste Klinikeinweisung oft bereits mit dem Klinikaustritt wieder an, im Sinne des Drehtüreffekts. Nach dem Klinikaustritt sind es häufig die Angehörigen, die in die Bresche springen und den unbehandelten, dem Krankheitsgeschehen ausgelieferten Patienten wieder bei sich zuhause aufnehmen. Das Verweigerungsrecht wird dem Kranken zugestanden. Anders sieht es damit bei den Angehörigen aus. Sie, die häufig selbst am Rande der Erschöpfung stehen, können sich der Wiederaufnahme des erkrankten Familienmitgliedes kaum verweigern, sei es aus Liebe, aufgrund von Verantwortungs- oder Schuldgefühlen, oder sei es, dass es außer der Obdachlosigkeit keine wirkliche Alternative gibt. Das familiäre Netz, das den Erkrankten tragen sollte, läuft in dieser Situation Gefahr, unter der massiven Belastung zu reißen. <br />
<br />
Mein Bruder hat mittlerweile eine langjährige Psychiatrieerfahrung und weiß um seine Rechte. So hatte beinahe jede seiner Klinikeinweisungen gegen seinen Willen eine Rekursverhandlung zur Folge. Angehörigen wird die Teilnahme an einer Rekursverhandlung nicht verwehrt und sie haben ein Recht auf Anhörung, allerdings ist etwas Geschick erforderlich, um herauszufinden, wann die Verhandlung stattfinden wird. Meine Schwester und ich haben mehrfach an Rekursverhandlungen teilgenommen. Auch wenn es schwierig war zu akzeptieren, so hatten wir doch immer Verständnis dafür, wenn ein Richter aufgrund der gutachterlichen Einschätzung, dass keine akute Fremd- oder Selbstgefährdung vorliege, die Zurückhaltung meines Bruders in der Klinik als nicht mehr gerechtfertigt erachten musste. Als absolut arrogant und selbstgerecht habe ich hingegen noch heute den Spruch eines Richters in den Ohren, der uns mit den Worten aus dem Saal entliess: „Heute will sich jeder der Verantwortung entziehen, sie sind seine Familie, man kann nicht alles, was unangenehm ist, dem Staat übergeben.“ Hätte sich besagter Richter bei seinem Aktenstudium oder während der Verhandlung bessere Kenntnisse über das soziale Umfeld meines Bruders verschafft, dann wäre ihm bewusst gewesen, dass meine Eltern am Ende ihrer Belastbarkeit waren. <br />
<br />
Das Schicksal meines Bruders ist kein Einzelfall. Eine schwere psychische Erkrankung verursacht auch bei den Angehörigen unermessliches Leid. Wenn Angehörige hautnah miterlebt haben, wie sich der Erkrankte dank adäquater Medikation von seinem psychotischen Erleben distanzieren und wieder aktiv am Leben teilnehmen konnte, dann ist es unglaublich schmerzvoll und kaum zu ertragen, wenn sie untätig und hilflos zusehen müssen, wie der Erkrankte sein Recht auf Behandlungsverweigerung wahrnimmt und sich sein Zustand stetig verschlechtert. Neben allen Belastungen, die eine psychische Erkrankung mit sich bringt, sehen sich Angehörige einem unlösbaren Dilemma gegenüber, das nur schwer auszuhalten ist. Einerseits wünschen sich Angehörige für das erkrankte Familienmitglied Behandlungsmassnahmen, die aus ihrer Sicht zum Wohle des Erkrankten eingesetzt werden müssen, gleichzeitig aber befürworten sie dadurch die Verletzung der körperlichen Unversehrtheit des Erkrankten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Wie verschiedene Beiträge im Forum zeigen, treibt diese Frage viele Geschwister um. In der Zeitschrift Kerbe 3/2016 erschien dazu ein Artikel von Sybille Glauser. Frau Glauser ist Psychologin und Schwester und hat den nachfolgenden Artikel auch aus ihrer persönlichen Sicht und Erfahrung verfasst. <br />
<br />
Wir danken Frau Glauser, dass sie uns gestattet hat, ihren Artikel hier zur Diskussion zu stellen. <br />
<br />
Es wäre schön, wenn Ihr Eure Gedanken dazu schreiben würdet.<br />
Herzliche Grüße<br />
Lucie<br />
<br />
<hr class="mycode_hr" />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Zum langfristigen Umgang mit Psychopharmaka</span><br />
Ambivalenzen und Sichtweisen von Angehörigen<br />
<br />
Sybille Glauser, lic. Phil. Psychologin, Präsidentin Netzwerk Angehörigenarbeit Psychiatrie, Angehörigenberatung, Universitäre Psychiatrische Dienste Bern<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Die Frage, ob Psychopharmaka wirksam und hilfreich sind oder schlimmstenfalls sogar gesundheitsschädigende Nebenwirkungen haben, verunsichert Angehörige sehr. Die Einstellung von Angehörigen gegenüber Psychopharmaka ist meist abhängig von der Schwere und dem Verlauf der Erkrankung.</span><br />
<br />
Das Thema Psychopharmaka wird kontrovers diskutiert. Was für die einen ein Segen ist, ist für Andere ein Fluch. Negative Vorurteile gegenüber Psychopharmaka sind weit verbreitet und tragen dazu bei, dass psychisch kranke Menschen nicht nur stigmatisiert werden aufgrund ihrer Erkrankung, sondern sich häufig selbst stigmatisieren, da sie auf die Einnahme von Psychopharmaka angewiesen sind. Angehörige, die schlecht oder gar nicht informiert sind über die Wirkungsweise, den Nutzen aber auch die Nebenwirkungen von Psychopharmaka, sind oft sehr verunsichert und tun sich schwer damit, sich eine Meinung über Psychopharmaka zu bilden. Sie sind meist sehr bemüht, sich Wissen über Medikamente anzueignen, die zur Behandlung von psychischen Erkrankungen eingesetzt werden. Sie quälen sich durch Fachliteratur, surfen im Internet oder suchen das aufklärende Gespräch mit Fachpersonen. Doch nur zu oft wird fundiertes Wissen über Psychopharmaka für Angehörige zur Qual und zwar dann, wenn das erkrankte Familienmitglied die Meinung der Angehörigen über den Beschwerden lindernden Nutzen von Medikamenten nicht teilt und die Medikation ablehnt. Gerade bei schweren Krankheitsverläufen weichen die anfängliche Kritik und das Misstrauen von Angehörigen gegenüber Psychopharmaka nach wiederholten Rückfällen hoffnungsvollen Erwartungen, die jedoch aus vielerlei Gründen selten erfüllt werden können. <br />
<br />
Ich habe mich bei der Zusage zu diesem Artikel entschieden, den Anspruch auf „Objektivität“ und professionelle Distanz zu verwerfen und bin in die Angehörigenhaut geschlüpft, um dem Leser einen Einblick zu gestatten in die Lebens- und Leidensgeschichte meines Bruders und unserer Familie. Im Wissen, dass unzählige Angehörige von psychisch kranken Menschen unser Schicksal teilen, erhoffe ich mir durch meinen sehr persönlichen Beitrag bei Fachpersonen und vor allem bei Betroffenen mehr Verständnis für all jene verzweifelten Angehörigen, die das erkrankte Familienmitglied zur Einnahme von Medikamenten drängen in der vermeintlichen Hoffnung auf Genesung oder doch zumindest Linderung von quälenden Symptomen und Beschwerden.<br />
<br />
Die psychische Erkrankung meines Bruders hat mein eigenes Leben massgeblich mitbestimmt. Die Ironie des Schicksals hat es so gewollt, dass ich trotz oder gerade wegen der schweren Erkrankung meines Bruders die Erfüllung in meinem Beruf gefunden habe. Ich bin Psychologin und bin in Bern bei den Universitären Psychiatrischen Diensten in der Beratung von Angehörigen psychisch kranker Menschen tätig. Ich war auch viele Jahre lang aktives Mitglied der VASK, die Selbsthilfevereinigung von Angehörigen psychisch kranker Menschen in der Schweiz. Ich erlaube mir, über die Erkrankung meines Bruders zu schreiben, da ich seit meiner Heirat einen anderen Namen trage als er und in einer anderen Stadt lebe. Es ist deshalb nicht möglich, Rückschlüsse auf seine Person zu ziehen. <br />
<br />
Mein Bruder ist vor mehr als 30 Jahren an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt. Der erste Klinikaufenthalt, der gegen seinen Willen erfolgte, liegt nun schon drei Jahrzehnte zurück. Seine Erkrankung hat leider einen chronischen Verlauf genommen, er lebt seit 25 Jahren von einer Invalidenrente. Obwohl er während all den Jahren nie in der Lage war, auch nur annähernd eine gewisse Krankheitseinsicht zu entwickeln, erklärte er sich während eines längeren Klinikaufenthaltes bereit für eine dreiwöchentliche Depotmedikation. Diese Form der medikamentösen Behandlung linderte nicht nur seine Beschwerden. Da die tägliche Tabletteneinnahme ausfiel, wurde er auch nicht immer mit seiner Krankheit konfrontiert. <br />
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Die folgenden drei Jahre unter Depotmedikation sind mir unvergesslich geblieben. Mein Bruder wurde wieder zugänglich, er wirkte entspannt, machte sich aktiv Gedanken über seine Zukunft, auch seine berufliche Zukunft. Er verliebte sich, seine Liebe wurde erwidert, wir schöpften Hoffnung und alles schien eine gute Wende zu nehmen. Dann aber traf ein Oberarzt den bestimmt gutgemeinten aber für meinen Bruder folgenschweren Entscheid. Er empfahl meinem Bruder die orale Einnahme des Neuroleptikums und stellte die Depotmedikation ein. Er wollte meinen Bruder «in die Selbstständigkeit entlassen» wie er sagte und ihm die «Eigenverantwortung» übergeben. Leider erwies sich dies im Falle meines Bruders als Fehlentscheid. Mein Bruder konnte mit dieser «Freiheit» nicht umgehen, er setzte relativ rasch die Medikamente ab und erlitt in der Folge eine weitere schwere psychotische Krise, die einen Klinikaufenthalt, einmal gegen seinen Willen, zur Folge hatte. <br />
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Während dieses Klinikaufenthaltes machte ein Mitpatient ihn auf die Psychex aufmerksam. Die Psychex ist ein Verein, der sich gemäss ihrer Homepage zum „Anwalt psychiatrisch Verfolgter macht“, ihrer Meinung nach werden „Menschen in Anstalten versenkt und mit heimtückischen Nervengiften ruhiggestellt“. Ich musste mehrfach miterleben, wie mein Bruder mit Unterstützung der Psychex aus der Klinik entlassen wurde und dann hilflos und obdachlos vor der Klinikpforte stand. Der Psychex-Anwalt hatte meinen Bruder auch darin bestärkt, dass er die Medikation jederzeit verweigern könne. Dies war der traurige Wendepunkt im Leben meines damals 31-jährigen Bruders. Mit wenigen Ausnahmen von kurzen Intervallen während stationären Aufenthalten hat er die medikamentöse Behandlung seither immer vehement abgelehnt. Auch gegen jegliche andere Therapieformen hat er sich immer erfolgreich gewehrt.<br />
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Die Frage, wie das Leben meines Bruders wohl verlaufen wäre, wenn er die Depotmedikation beibehalten hätte, hat mich jahrelang verfolgt. Vielleicht hätte seine Liebesbeziehung auch schwierigeren Phasen standgehalten, vielleicht hätte er wieder teilzeitlich in seinem gelernten Beruf tätig sein können, vielleicht wäre es ihm möglich geworden, sich aktiv mit seiner Erkrankung auseinanderzusetzen und einen Umgang damit zu finden, vielleicht wäre mir der Bruder erhalten geblieben, so wie ich ihn in unserer Kinder- und Jugendzeit kannte. Im Nachhinein gesehen sind solche Fragen müssig und nicht hilfreich und doch drängen sie sich immer wieder auf. Mein Bruder hat sich durch die Krankheit sehr verändert, sein Denken ist derart durch wahnhafte Inhalte besetzt, dass er mich heute nicht mehr als seine Schwester wahrnimmt. Und nur zu oft zähle ich aus seiner Sicht zur Gruppe der vermeintlichen Verfolger. Während den ersten Jahren seiner Erkrankung fiel es mir extrem schwer, mich damit abzufinden, dass meinem Bruder ein solches Schicksal beschieden ist. <br />
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Seither sind mehr als 20 Jahre vergangen und mein Bruder ist von der Krankheit gezeichnet. Seine sozialen Kontakte beschränken sich nach dem Tod unserer Mutter auf den Kontakt zu meinem Vater, meiner Schwester und mir. Er lebt vollkommen isoliert in einer kleinen Zweizimmer-Wohnung. Tag und Nacht läuft der Fernseher. Mein Bruder wird von Stimmen gequält, Verfolgungsideen beherrschen sein Leben. Er ist stark abgemagert, weil er kaum Nahrung zu sich nehmen kann, da er unter Vergiftungsideen leidet. Seit Jahren hat mein Bruder nun auch noch ein Alkoholproblem. Alkohol scheint seine Selbstmedikation zu sein. Außer sich vor Angst und durch den Alkohol enthemmt, kam es mehrmals zu gewalttätigen Eskalationen. Mein Bruder wurde bisher mehr als dreißigmal hospitalisiert, leider meist gegen seinen Willen. Da die schweizerische Gesetzgebung eine medikamentöse Behandlung gegen den Willen eines Betroffenen nur in Akutsituationen erlaubt, wird mein Bruder bei einem Klinikaufenthalt aufgepäppelt und dann medikamentös unbehandelt wieder entlassen. Die Chance, dass er sich doch irgendwann einmal in seinem Leben von seinen paranoiden Wahngedanken distanzieren könnte, hat sich von Jahr zu Jahr verringert. Sein Denken hat sich dauerhaft von der Realität entfernt. Die Befürworter der Aussage „es muss ein Recht zur Entscheidung auf ein Leben in der Psychose geben“ machen sich meiner Meinung nach für eine Gruppe von Psychose kranken Menschen stark, die nicht repräsentativ sind für alle Kranken. Die Aussage mag auf Menschen zutreffen, die trotz psychotischem Erleben ihr Leben ohne unerträglichen Leidensdruck selbst gestalten können, die stark genug sind, sich als Gruppe zu organisieren und sich gemeinsam für ihre Rechte einzusetzen. Wie aber ist es um die Kranken bestellt, denen aufgrund der Erkrankung ihre Selbstbestimmung und ihre persönliche Freiheit abhandengekommen sind? Von Autonomie und Entscheidungsfreiheit kann meiner Meinung nach bei meinem Bruder keine Rede mehr sein, die Erkrankung beherrscht alle Bereiche seines Lebens. Ich weiß, dass ich mit meiner Aussage nicht bei allen Lesern auf Zustimmung stoßen werde, aber meinem Empfinden nach kommt es einer unterlassenen Hilfeleistung gleich, wenn ein Erkrankter über Wochen oder Monate unbehandelt und mit sichtlichem Leidensdruck dem psychotischen Geschehen ausgesetzt bleibt. Meine Haltung gegenüber dem 2013 in der Schweiz in Kraft getretenen revidierten Erwachsenenschutzrecht ist ambivalent, zum einen wird lobenswerterweise die Selbstbestimmung psychisch kranker Menschen gestärkt, andererseits wird psychisch Schwerstkranken fälschlicherweise eine Autonomie zugesprochen, die den Zugang zur Behandlung erschwert. Nicht nur mein Bruder leidet unter seiner unbehandelten Erkrankung. Für meinen Vater und uns Schwestern ist es unglaublich schmerzhaft, tatenlos mitansehen zu müssen, wie ein geliebter Mensch seiner Erkrankung hilflos ausgeliefert bleibt, im Wissen, dass es gute Behandlungsmöglichkeiten gäbe, wenn er sie denn annehmen könnte. <br />
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Wenn Patienten die Behandlung verweigern, insbesondere die medikamentöse Behandlung, dann kündigt sich die nächste Klinikeinweisung oft bereits mit dem Klinikaustritt wieder an, im Sinne des Drehtüreffekts. Nach dem Klinikaustritt sind es häufig die Angehörigen, die in die Bresche springen und den unbehandelten, dem Krankheitsgeschehen ausgelieferten Patienten wieder bei sich zuhause aufnehmen. Das Verweigerungsrecht wird dem Kranken zugestanden. Anders sieht es damit bei den Angehörigen aus. Sie, die häufig selbst am Rande der Erschöpfung stehen, können sich der Wiederaufnahme des erkrankten Familienmitgliedes kaum verweigern, sei es aus Liebe, aufgrund von Verantwortungs- oder Schuldgefühlen, oder sei es, dass es außer der Obdachlosigkeit keine wirkliche Alternative gibt. Das familiäre Netz, das den Erkrankten tragen sollte, läuft in dieser Situation Gefahr, unter der massiven Belastung zu reißen. <br />
<br />
Mein Bruder hat mittlerweile eine langjährige Psychiatrieerfahrung und weiß um seine Rechte. So hatte beinahe jede seiner Klinikeinweisungen gegen seinen Willen eine Rekursverhandlung zur Folge. Angehörigen wird die Teilnahme an einer Rekursverhandlung nicht verwehrt und sie haben ein Recht auf Anhörung, allerdings ist etwas Geschick erforderlich, um herauszufinden, wann die Verhandlung stattfinden wird. Meine Schwester und ich haben mehrfach an Rekursverhandlungen teilgenommen. Auch wenn es schwierig war zu akzeptieren, so hatten wir doch immer Verständnis dafür, wenn ein Richter aufgrund der gutachterlichen Einschätzung, dass keine akute Fremd- oder Selbstgefährdung vorliege, die Zurückhaltung meines Bruders in der Klinik als nicht mehr gerechtfertigt erachten musste. Als absolut arrogant und selbstgerecht habe ich hingegen noch heute den Spruch eines Richters in den Ohren, der uns mit den Worten aus dem Saal entliess: „Heute will sich jeder der Verantwortung entziehen, sie sind seine Familie, man kann nicht alles, was unangenehm ist, dem Staat übergeben.“ Hätte sich besagter Richter bei seinem Aktenstudium oder während der Verhandlung bessere Kenntnisse über das soziale Umfeld meines Bruders verschafft, dann wäre ihm bewusst gewesen, dass meine Eltern am Ende ihrer Belastbarkeit waren. <br />
<br />
Das Schicksal meines Bruders ist kein Einzelfall. Eine schwere psychische Erkrankung verursacht auch bei den Angehörigen unermessliches Leid. Wenn Angehörige hautnah miterlebt haben, wie sich der Erkrankte dank adäquater Medikation von seinem psychotischen Erleben distanzieren und wieder aktiv am Leben teilnehmen konnte, dann ist es unglaublich schmerzvoll und kaum zu ertragen, wenn sie untätig und hilflos zusehen müssen, wie der Erkrankte sein Recht auf Behandlungsverweigerung wahrnimmt und sich sein Zustand stetig verschlechtert. Neben allen Belastungen, die eine psychische Erkrankung mit sich bringt, sehen sich Angehörige einem unlösbaren Dilemma gegenüber, das nur schwer auszuhalten ist. Einerseits wünschen sich Angehörige für das erkrankte Familienmitglied Behandlungsmassnahmen, die aus ihrer Sicht zum Wohle des Erkrankten eingesetzt werden müssen, gleichzeitig aber befürworten sie dadurch die Verletzung der körperlichen Unversehrtheit des Erkrankten.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Geschwister ergreifen soziale Berufe - warum?]]></title>
			<link>https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=10</link>
			<pubDate>Wed, 02 May 2018 10:21:21 +0000</pubDate>
			<guid isPermaLink="false">https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=10</guid>
			<description><![CDATA[Liebe Geschwister,<br />
<br />
ich bin Schwester eines erkrankten Bruder, Psychologin und Journalistin. Bei meinen Recherchen zu Geschwistern ist mir aufgefallen, dass viele Geschwister in sozialen Berufen arbeiten, Sozialwissenschaften, Psychologie oder Medizin studieren, manche schreiben gar ihre Abschlussarbeiten zu dem Thema "Geschwister". Nahezu alle Studien, die es zu dem Thema gibt, sind zumindest anteilig von Geschwistern durchgeführt und geschrieben worden. Ich selbst habe Psychologie studiert, mein Bruder war dafür durchaus ausschlaggebend. Ein Schulfreund von mir, der ebenfalls einen erkrankten Bruder hat, hat ebenfalls Psychologie studiert. Auch er sagt sein Bruder war ein wichtiger Einfluss für diese Entscheidung. Eine Geschwister-Studie von Thomas Bock sagt: 50 Prozent der Teilnehmer arbeiteten in sozialen Berufen. Ich fand das überraschend und sehr spannend. Ich möchte gern den Gründen nachgehen. Ich wüsste gern, warum ihr in diese Richtung gegangen seid, wenn ihr sie eingeschlagen habt? Was war ausschlaggebend? Ich habe das Studium begonnen, um besser zu verstehen, was mit meinem Bruder los ist, wie es ihm geht. Und weil er mich für dieses Themenfeld sensibilisiert hat. Eine Zeitlang habe ich sogar gedacht, ihm dann besser helfen zu können. <br />
Wie ist das bei euch? Was war euer Antrieb Experte/in auf diesem Gebiet zu werden? <br />
<br />
Eure Erläuterungen würde ich ggf. gern in ein Buch einfließen lassen, an dem ich derzeit werkel. Bitte gebt mir einfach ein Zeichen, wenn ihr das für euren Beitrag nicht möchtet. Mich interessiert eure Perspektive auch unabhängig von meinem Buchprojekt. <br />
<br />
Viele Grüße<br />
Jana]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Liebe Geschwister,<br />
<br />
ich bin Schwester eines erkrankten Bruder, Psychologin und Journalistin. Bei meinen Recherchen zu Geschwistern ist mir aufgefallen, dass viele Geschwister in sozialen Berufen arbeiten, Sozialwissenschaften, Psychologie oder Medizin studieren, manche schreiben gar ihre Abschlussarbeiten zu dem Thema "Geschwister". Nahezu alle Studien, die es zu dem Thema gibt, sind zumindest anteilig von Geschwistern durchgeführt und geschrieben worden. Ich selbst habe Psychologie studiert, mein Bruder war dafür durchaus ausschlaggebend. Ein Schulfreund von mir, der ebenfalls einen erkrankten Bruder hat, hat ebenfalls Psychologie studiert. Auch er sagt sein Bruder war ein wichtiger Einfluss für diese Entscheidung. Eine Geschwister-Studie von Thomas Bock sagt: 50 Prozent der Teilnehmer arbeiteten in sozialen Berufen. Ich fand das überraschend und sehr spannend. Ich möchte gern den Gründen nachgehen. Ich wüsste gern, warum ihr in diese Richtung gegangen seid, wenn ihr sie eingeschlagen habt? Was war ausschlaggebend? Ich habe das Studium begonnen, um besser zu verstehen, was mit meinem Bruder los ist, wie es ihm geht. Und weil er mich für dieses Themenfeld sensibilisiert hat. Eine Zeitlang habe ich sogar gedacht, ihm dann besser helfen zu können. <br />
Wie ist das bei euch? Was war euer Antrieb Experte/in auf diesem Gebiet zu werden? <br />
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Eure Erläuterungen würde ich ggf. gern in ein Buch einfließen lassen, an dem ich derzeit werkel. Bitte gebt mir einfach ein Zeichen, wenn ihr das für euren Beitrag nicht möchtet. Mich interessiert eure Perspektive auch unabhängig von meinem Buchprojekt. <br />
<br />
Viele Grüße<br />
Jana]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Wahnsinn um drei Ecken]]></title>
			<link>https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=9</link>
			<pubDate>Mon, 06 Nov 2017 10:47:21 +0000</pubDate>
			<guid isPermaLink="false">https://forum.geschwisternetzwerk.de/showthread.php?tid=9</guid>
			<description><![CDATA[Hallo,<br />
<br />
ich möchte gerne über das Buch "Wahnsinn um drei Ecken" diskutieren. Hat jemand Lust dazu?<br />
<br />
Mich beschäftigen ein paar Fragen, vielleicht hat ja jemand eine andere Meinung oder eigene Gedanken/ Fragen dazu?<br />
<br />
- Was macht es so schwer, das zehnte Ostern oder Weihnachten vielleicht einfach mal so zu planen und durchzuführen, wie "die Gesunden" es haben möchten, und <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">von dem Erkrankten</span> eine Anpassungsleistung zu erwarten? Bzw. wieso sollte ein erkrankter Mensch nicht auch mal enttäuscht sein "dürfen", dass nicht alles so läuft, wie er oder sie sich das wünscht - gehört das nicht zum Leben dazu?<br />
<br />
- Was sind das für Mechanismen, die Mütter dazu bringen, sich beispielsweise in der eigenen Wohnung ins Wohnzimmer ausquartieren zu lassen, sich extrem schlecht behandeln zu lassen und fest davon überzeugt zu sein, dies helfe ihrem erkrankten Kind oder sie tut damit etwas Gutes? Und wie können sie gleichzeitig ausblenden, was das mit den sogenannten gesunden Geschwistern macht, die dies mitansehen müssen?<br />
<br />
- Warum kommen Töchter im Zusammenhang mit der Erkrankung in die Rolle der Beraterin ihrer Mutter? Was ist das eigentlich für eine Rollenverschiebung? Vor allem, wenn die Töchter eigentlich selbst darauf angewiesen sind, Fürsorge und Schutz durch die Mutter zu erhalten?<br />
<br />
Liebe Grüße,<br />
Anna]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Hallo,<br />
<br />
ich möchte gerne über das Buch "Wahnsinn um drei Ecken" diskutieren. Hat jemand Lust dazu?<br />
<br />
Mich beschäftigen ein paar Fragen, vielleicht hat ja jemand eine andere Meinung oder eigene Gedanken/ Fragen dazu?<br />
<br />
- Was macht es so schwer, das zehnte Ostern oder Weihnachten vielleicht einfach mal so zu planen und durchzuführen, wie "die Gesunden" es haben möchten, und <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">von dem Erkrankten</span> eine Anpassungsleistung zu erwarten? Bzw. wieso sollte ein erkrankter Mensch nicht auch mal enttäuscht sein "dürfen", dass nicht alles so läuft, wie er oder sie sich das wünscht - gehört das nicht zum Leben dazu?<br />
<br />
- Was sind das für Mechanismen, die Mütter dazu bringen, sich beispielsweise in der eigenen Wohnung ins Wohnzimmer ausquartieren zu lassen, sich extrem schlecht behandeln zu lassen und fest davon überzeugt zu sein, dies helfe ihrem erkrankten Kind oder sie tut damit etwas Gutes? Und wie können sie gleichzeitig ausblenden, was das mit den sogenannten gesunden Geschwistern macht, die dies mitansehen müssen?<br />
<br />
- Warum kommen Töchter im Zusammenhang mit der Erkrankung in die Rolle der Beraterin ihrer Mutter? Was ist das eigentlich für eine Rollenverschiebung? Vor allem, wenn die Töchter eigentlich selbst darauf angewiesen sind, Fürsorge und Schutz durch die Mutter zu erhalten?<br />
<br />
Liebe Grüße,<br />
Anna]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
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